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Operation Urlaub

Stan Janssens Knöchelverletzung war so schlimm, dass der sportbegeisterte Student aus Sittard in den Niederlanden nicht mehr Fussball spielen konnte. Doch drei niederländische Ärzte äußerten sich widersprüchlich, und die Röntgenaufnahme war nicht aussagekräftig. Deshalb fuhr der 22-Jährige über die Grenze nach Belgien. Im staatlichen Krankenhaus von Maaseik ordnete ein Facharzt eine Magnetresonanzaufnahme an, die Janssen in Holland nicht angeboten worden war, und empfahl eine Operation.
Sie wurde innerhalb der nächsten drei Wochen durchgeführt. In den Niederlanden hätte die Wartezeit mehrere Monate betragen. Der Chirurg operierte den Knöchel während der Sommerferien 2005. Heute spielt Janssen wieder Fussball.

"Ich hatte mehr Vertrauen zu den belgischen Ärzten", erzählt er. "Sie erklärten mir, was los war, bevor sie mich operierten."
Dank einer Vereinbarung zwischen seiner staatlichen Krankenkasse und dem Krankenhaus in Maaseik über grenzübergreifende Versorgung, bekam Janssen die Kosten größtenteils erstattet.
Von 2000 bis 2004 ließen sich in den Grenzregionen Belgiens, der Niederlande und Deutschlands über 7000 menschen im Ausland behandeln und die Kosten von der heimischen Krankenversicherung erstatten.
Der Medizintourismus ist ein Trend, der Tausenden von Europäern zugute kommt. Er verkürzt Wartezeiten und gibt solchen Ländern Impulse, die - wie belgien - Überkapazitäten im Gesundheitswesen haben. Gesundheitstouristen werden schneller behandelt, zahlen weniger für privatärztliche Operationsleistungen und können den Aufenthalt meist mit einem Urlaub verbinden. Und die Qualität der Behandlung ist oft besser als im eigenen Land.
Der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz Markos Kyprianou sagte September 2006: "Patienten wünschen sich hochwertige medizinische versorgung so nah wie möglich an ihrem Wohnort." Doch das ist nicht immer möglich. So reisen Italiener nach Slowenien, wenn sie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Augen- oder Stoffwechselkrankheiten leiden. Grenznah lebende Franzosen wählen ihren Hausarzt in einem anderen Land. Deutsche fahren in Badeorte nach Tschechien, um sich nach Operationen zu erholen.


Auch nicht lebensnotwendige Eingriffe, die die Lebensqualität verbessern, wie kosmetische Operationen, Zahnersatz und Laser-Augenoperationen, sind im Ausland unter Umständen billiger.

So behandeln ungarische Zahnärzte schon lange österreichische Patienten - sehr zum Ärger der österreichischen Zahnmediziner, die im Gegensatz zu ihren ungarischen Kollegen keine Werbung machen dürfen. In Ungarn gibt es mehr gut ausgebildete Zahnärzte pro Kopf als in jedem anderen europäischen Land.
In Sopron an der Grenze zu Österreich praktizieren um die 3000 Zahnärzte, 200 davon versorgen keine ungarischen Patienten. Eine Krone ist bis zu zehnmal billiger al im Nachbarland.

Günstige Reiseangebote haben den Medizintourismus einfach gemacht. Informieren Sie sich im Internet und werden Sie Ihr eigener Gesundheitsberater. Hier einige gute Gründe für Behandlungen im Ausland und Tipps, worauf Sie achten sollten.

Die Behandlung gibt es nur im Ausland

Bei der 39-jährigen Narkosärztin Tessa Whitton aus Bristol im Südwesten Englands wurde 2006 Magenkrebs festgestellt.
Die erforderliche Entfernung des Magens und eine gezielte lokale Chemotherapie waren in Großbritannien nicht verfügbar. Doch die Medizinerin wollte nicht aufgeben. Sie studierte Fachliteratur und recherchierte im Internet.
Sie bat Spezialisten, ihr einen Chirurgen zu empfehlen, der diese Operation anbot. So stieß sie auf Professor Francois-Noel Gilly, der im Krankenhaus Lyon-Sud in Frankreich ein internationales Kompetenzzentrum aufgebaut hatte. Im Juli 2006 wurde sie in Lyon operiert und unterzog sich der anschließenden Chemotherapie.
Die Behandlung musste sie aus eigener Tasche zahlen. "Die Unterfinanzierung in Großbritannien hat dazu geführt, dass unsere Überlebensraten bei Krebs zu den niedrigsten in ganz Europa gehören", sagt sie. Den meisten Patienten fehlt dieses medizinische Wissen. Bitten Sie deshalb Ihren Arzt um Rat, vielleicht kann er Ihnen einen Ansprechpartner vermitteln. Wenn möglich sollten Sie vorher Kontakt mit den ausländischen Arzt aufnehmen. Tessa Whitton flog beispielsweise win paar Wochen vor der Operation zu einem Beratungsgespräch nach Lyon.

So können Sie bares Geld sparen !

Westeuropäer gehen in der Regel in die neuen EU-Länder wie Ungarn, Polen, Tschechien, Slowenien, Rumänien und den Beitritskandidaten Kroatien, um den horrenden Kosten für medizinische leistungen auszuweichen, die sie im eigenen Land selbst übernehmen müssten. Die Wechselkurse sind günstig und die medizinische Versorgung in diesen Ländern von hoher Qualität. Die 60-jährige Vilgunn Celius aus Norwegen beschloss, sich in Kroatien die Zähne richten zu lassen und im Anschluss dort Urlaub zu machen. "Die Behandlung dort war so viel billiger, dass der Urlaub noch mit herraussprang", berichtet sie.
Im Internet entdeckte sie Dr. Îeljko Popadics Praxis für Zahnmedizin und Implantologie in Rovinj an der kroatischen Adriaküste. Dort verbrachte sie im April 2006 sechs Wochen und fuhr im September noch einmal nach Rovinj, um die Behandlung fortsetzten zu lassen.
Die Arbeiten an 24 Zähnen haben ihrer Schätzung nach 4000 bis 5000 Euro weniger gekostet als in Norwegen. Die hochmoderne Praxis und die aufmerksamen Mitarbeiter beindruckten sie. "Ich hatte das Gefühl, ich sei die einzige patientin." Außerdem genoss sie ihre Streifzüge durch die melancholische Halbinsel Istrien. Dr. Popadics Website informierte ausführlich über die Behandlungsmethoden und über die Qualifikation seiner Mitarbeiter. Vilgunn Celius fühlte sich nach einem persönlichen Telefongespräch mit Dr. Popadic beruhigt.

"Ich hatte ein gutes Gefühl, als ich mit ihm sprach" , erzählt sie. "Ein Risiko geht man natürlich immer ein, aber ich war wirklich überzeugt. Und ich bin mit der Arbeit sehr zufrieden." Und falls etwas schiefgeht? "Wir arbeiten stets mit den sichersten Behandlungsmethoden mit höchsten Qualitätsstandard", erklärt Dr. Popadic. "Sollten Komplikationen auftreten, die wir verantwortet haben, geht das natürlich auf unsere Rechnung.
Doch das kommt sehr selten vor." Frabcesco Novello, 54, aus Udine in Nordostitalien ist regelmäßig Patient in Dr. Popadics Praxis. Sie liegt nur drei Autostunden entfernt und wurde ihm von einem Bekannten empfohlen. Er ist mit den Implantationen sehr zufrieden. Und mit dem Preis ebenfalls. Ein Freund Novellos bekam in Florenz über die gleichen zahnmedizinischen Leistungen einen Kostenvoranschlag in Höhe von 42 000 Euro. Novello hatte 13 000 Euro gezahlt. Der freund ließ sich schließlich in Spanien für 16 000 Euro behandeln. Setzen Sie sich rechtzeitig mit dem ausländischen Arzt in Verbindung, um die geplante Behandlung zu besprechen. Fragen Sie stets, wer die Kosten übernimmt, falls Komplikationen auftreten oder wenn eine Behandlung erfolglos bleibt.

Buchen Sie Ihre Reise bei einer Agentur

Es gibt in ganz Europa Unternehmen, die sich auf Organisation von Medizintourismus spezialisiert haben - gewöhnlich für zahnmedizinische oder kosmetische Behandlungen. Die 52-jährige Kosmetikerin Lucyna Recke-Degner aus Berlin ließ sich im April 2006 in einem privaten Zentrum für plastische Chirurgie im polnischen Stettin das gesicht liften. Organisiert hatte die Reise das deutsche Unternehmen Gesundheits-Planet.
Die Angestellten der Klinik sprechen mehrere Sprachen. "Das war mir sehr wichtig, mich verstänigen zu können". erklärt Frau Recke-Degner. "Außerdem legte ich großen Wert auf eine gute Beratung, auch in Bezug auf alle mit der Operation verbundenen Risiken. Das alles hat diese Klinik geboten. Ich fühlte mich wirklich gut aufgehoben." Ihre Gesichtsbehandlung kostete 3300 Euro - einschließlich Operation, Narkose, Beratungsgesprächen und Unterbringung mit Vollpension im klinikeigenen Hotel.
"In Deutschland hätte ich mindestens das Doppelte bezahlt" , sagt sie. "Verpflegung und Unterkunft nicht eingerechnet."
Prüfen Sie die Agentur sorgfältig. Stellen Sie fest, wie lange sie schon im Geschäft ist und wie viele Patienten sie betreut. Sind Flüge und Unterkunft im Preis enthalten? Setzt sich der Veranstalter mit Ihrem heimischen Arzt oder Zahnarzt in Verbindung und kümmert er sich um die nachsorge nach Ihrer Rückkehr? Welche Haftung übernimmt er bei Unfall oder Fahrlässigkeit ?

Mehr Leistung in Asien

Für größere Eingriffe, auch für neue Hüft- und Kniegelenke oder Herzoperationen, fliegen immer mehr Europäer nach Thailand oder Indien. Nach einer 2004 von McKinsey & Co. und dem indischen Industrieverband durchgeführten Studie könnte der Medizintourismus der indischen Wirtschaft bis 2012 über eine Milliarde Euro einbringen. Bislang reisen die meisten ausländischen Patienten nach Thailand. In über 400 Privatkliniken wurden dort im Jahr 2004 über eine Million ausländische Besucher behandelt. Nach Schätzungen des verbandes thailändischer Privatkliniken wurden 455 Millionen Euro umgesetzt. Manche Ärzte aus dem Westen kritisieren, dass die Behandlung von Ausländern in asiatischen Ländern medizinische Ressourcen beanspruche, die den Einheimischen verloren gingen.
Dr. Sutuspun Kay Kajornboon vom Bankok Hospital, der ausländische Patienten vor dem Heimflug untersucht, ist anderer Ansicht. Er erklärt, dass die Privatkliniken Spezialisten zurück nach Thailand holten, um die Ausländer zu behandeln, was letztlich auch den Einheimischen zugute komme. Außerdem profitiere die Wirtschaft durch die Schaffung von Ausbildung- und Arbeitsplätzen.

Wer nach der Begrüßung durch den Portier, der weiße Handschuhe trägt, das Foyer des Bumrungrad International Hospital in Bankok betritt, findet sich in einem luftigen Atrium wieder. Die Gäste aus aller herren Länder sitzen auf komfortablen Sofas und Sesseln und nippen an mitgebrachten Getränken. Marmorböden, dicke Teppiche und in olivgrüne thailändische Seide gehülltes Personal verleihen dem größten Privatkrankenhaus Asiens die Atmosphäre eines gehobenen Sternehotels. Die 900 Ärzte, 800 Pflegekräfte und 60 Dolmetscher von Bumrungrad sowie eine kleine Armee von Trägern, Portiers und Servicekräften versorgen mehr internationale Patienten als jedes andere Krankenhaus der Welt. Die 19 Operationssäle sind rund um die Uhr in Betrieb. Die intensive Nutzung der viele Millionen Euro teuren Anlagen und Ausrüstungen führt dazu, dass Kosten sinken und die Wartelisten schrumpfen. Die Behandlungsräume werden 16 Stunden pro Tag genutzt, die Computertomografien sind 20 Stunden pro tag im Einsatz. Die durchschnittliche Wartezeit auf den Arzt beträgt 13 Minuten.

Von mehr als eine Million Patienten, die 2005 in dem Krankenhaus behandelt wurden, stammten 400 000 aus dem Ausland - aus 150 verschiedenen Ländern. Darunter waren rund 50 000 Europäer. Viele waren in der Region ansässige Ausländer, ein Drittel jedoch medizinische Touristen, die eigens für kosmetische Operationen, zahnmedizinische oder Orthopädische Behandlungen angereist waren. "ich habe noch nirgendwo ein besseres Krankenhaus gesehen", sagt Dr. Wolfram Kempf, ein Chirurg aus Heidelberg. "Das Personal spricht mehrere Sprachen fließend, es arbeiten viele internationale Experten hier oder sie stehen in engem Kontakt miteinander. Außerdem bietet das Krankenhaus einen tollen Komfort."

Mit seiner Frau Elisabeth, einer Neurochirurgin, reist er häufig nach Thailand. Vor zwei Jahren hatte sich die 42-jährige Elisabeth wegen Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung im größten eigenständigen Augen-Laser-Operationszentrum Asiens, dem ebenfalls in Bankok ansässigen TRSC, einer Laseroperation unterzogen. Der Eingriff hat etwa ein Viertel dessen gekostet, was die Kempfs für die Behandlung in Deutschland hätten zahlen müssen. Anschließend gönnte sich das Paar einen Erholungsaufenthalt. "Sie sieht wieder wie ein Adler", mein Elisabeths Mann. Krankenhäuser und Kliniken in Asien bieten aber auch preiswert Vorsorgeuntersuchungen an - etwa zur Früherkennung von Herzkrankheiten oder spezielle Checks für Frauen. Bereiten Sie sich auf die Operation im Ausland gründlich vor. Der Weg ist weit, sollten später Komplikationen auftreten.

Ein Grund für die niedrigen Kosten in Asien ist, dass es keine Kunstfehlerprozesse mit horrenden Entschädigungsleistungen gibt. Lassen Sie sich deshalb die Qualifikation und die Zulassung des Arztes zeigen und prüfen Sie die Bilanz der Klinik in Bezug auf Hygiene und Infektionsraten. Seien Sie kritisch. Und bedenken Sie auch die lange Anreise.

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